20.07.2016

B. A. Zimmermann: Orchesterwerke

WDR Sinfonieorchester Köln, P. Hirsch

Stereoplay Klassik-CDs, Juli 2016

Musik: 10
Klang: 10

Die dritte Bernd-Alois-Zimmermann-CD von Peter Hirsch für das Label Wergo bringt erstmals die 1951 entstandene Urfassung der „Sinfonie in einem Satz“ zu Gehör – eine Sensation! Das riesig besetzte Werk wurde bei der Kölner Uraufführung (unter Hans Rosbaud) als „neoexpressionistisch“ kritisiert, nicht zuletzt wegen des wuchtigen Orgelparts, und später von Zimmermann grundlegend umgearbeitet und gestrafft. Das emphatische Original jedoch zeigt eine unmittelbare Frische und Inspiriertheit, deren Faszination man sich kaum entziehen kann. Das Konzert für Streichorchester (1948) und die – so der Komponist – „nur für Gourmets“ geschriebene, wunderbar ‚schräge‘ Tanzsuite nach alten Meistern „Giostra Genovese“ (1962) sind gleichfalls CD-Premieren, und die bitterbös-geniale Collage der „Musique pour les soupers du Roi Ubu“ (1966) habe ich noch nie so brillant und witzig gehört. Überhaupt: Das WDR Sinfonieorchester musiziert unter der exzellenten Leitung von Peter Hirsch (der auch den lesenswerten Booklettext „Die durchbohrte Zeit“ verfasst hat) so souverän und elegant, dass die Musik regelrecht Funken sprüht. Es ist eine Aufnahme, die nicht nur diesem herausragenden Komponisten Respekt zollt, sondern die auch unser Hörbild der deutschen Nachkriegs-Avantgarde bereichert und verändert.

von Michael Stegemann

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