30.09.2016

Empfehlung des Monats

 

Fonoforum, September 2016

Eine echte Entdeckung, die mit einem wahren Donnerschlag beginnt: eruptiv, gewaltsam, von den Klängen der Orgel zusätzlich ins Apokalyptische geweitet. Über 60 Jahre ist diese Musik nicht mehr erklungen, und es ist dem Dirigenten Peter Hirsch zu verdanken, dass er sie aus den Archiven befreit hat. Es handelt sich um Bernd Alois Zimmermanns einsätzige Sinfonie in der Erstfassung von 1951. Gleich nach der Uraufführung überarbeitete der Komponist das Werk. Die Version, die wir kennen, ist vielleicht formal stringenter sowie klanglich ausgewogener und vielfältiger, doch ist ihr die Urfassung an unmittelbarer Wirkung überlegen. Das betrifft nicht nur die zahlreichen, dynamischen Höhepunkte der Partitur, sondern auch und gerade die still brütenden, geheimnisvoll schimmernden Passagen, in denen sich die Musik quasi in einen Käfig zurückzieht, gleichsam um zu überlegen, wie sie aus diesem wieder ausbrechen kann. Man spürt in dieser elektrisierenden Einspielung das Sendungsbewusstsein der Beteiligten, die Faszination, ein verschollenes Meisterwerk im Moment der Interpretation wieder zum Leben zu erwecken.

Und als sei dies noch nicht genug, präsentieren die Musiker endlich eine adäquate Einspielung von Zimmermanns Schwarzem Ballett, der Roi Ubu-Musik (...) . Der derbe, nie harmlose Humor dieser Collage - das Stück besteht ausschließlich aus Fremd- und Eigenzitaten - ist punktgenau verwirklicht. (...)

 von Thomas Schulz

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