12.11.2007 — Frankfurter Allgemeine Zeitung

Stille, Umkehr, Abschied

Mahler und Bernd Alois Zimmermann in Mainz

... Gastdirigent Peter Hirsch und das Phiharmonische Staatsorchster Mainz führten im Großen Haus das Staatstheaters Zimmermanns „Stille und Umkehr“ auf und montierten das kurze Stück pausenlos mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr.9. Beide Werke sind sich sich - ungeachtet extrem verschiedener Dimensionen - näher, als man denkt: Auch die Neunte ist überdeutlich eine Musik des Abschiednehmens, mögen überkommene Formrelikte wie Ländler oder Burleske noch so eindeutig definiert sein, mag sich der dritte Satz in einer für diesen Komponisten nie zuvor erlebten Weise noch so sehr zu einem virtuosen Taumel zuspitzen. Schon der erste Satz irritiert durch seine scheinbare Ziellosigkeit. (...) Das Schluss-Adagio zeigt immer deutlicher Auflösungstendenzen. Wenige Klangpartikel, motivische Reste bleiben übrig, ein letztes Zitat aus den fünf Jahre zuvor konzipierten „Kindertotenliedern“ spricht Bände.
  Peter Hirsch bescherte den Mainzern einen Konzertabend von geradezu suggestiv anmutender Qualität. Mit äußerster Anspannung und vorbildlicher Präsenz loteten die Musiker die Mahlerschen Klangschichtungen aus. Die Aufführung der hochkomplexen Rondo-Burleske war eine Meisterleistung. Zimmermanns nicht weniger beeindruckende Skizzen „Stille und Umkehr“ hatte Hirsch zuvor mit jener stoischen Gleichförmigkeit interpretiert, durch die sich der erforderliche Sinnzusammenhang erst so richtig einstellt. Dass das Mainzer Abonnementpublikum wider Erwarten fast völlig störungsneutral diesen Bekenntnismusiken lauschte, spricht für die soghafte Kraft der Musik und ihrer Interpreten.

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